Wie wir arbeiten
Pflanzenschutz
Das Thema, über das niemand reden will
Wenn Pflanzenschutz in einem Interview zur Sprache kommt, winken alle ab. Darüber redet man nicht, das gibt es im Weinbau nicht.
Wir sehen das anders. Der größte Teil unserer Qualität kommt aus einem sehr genau durchdachten Pflanzenschutz. Und wir reden gern darüber, weil man nur so etwas dazulernt.
Elf Jahre Bio, elf verschiedene Spritzpläne. In jedem Jahr ist etwas weggefallen oder etwas dazugekommen. Uns geht es dabei längst nicht mehr nur darum, Pilze zu bekämpfen, sondern darum, die Rebe so vital zu halten, dass sie selbst zurechtkommt. Genau genommen ist das kein Pflanzenschutz mehr, sondern Pflanzenstärkung.
Ein Vorteil, den wir hatten, war die eigene Ahnungslosigkeit: Als wir angefangen haben, wussten wir nichts. Und wer nichts weiß, fragt.
Warum die Benetzung über alles entscheidet
Synthetische Mittel dringen ins Blatt ein und wirken von innen. Trifft ein Tropfen irgendwo, reicht das. Biologische Mittel können das nicht. Sie bleiben außen auf dem Blatt und arbeiten nach dem Verdrängungsprinzip: Was in der Blattspore sitzt, lässt dem Pilz keinen Platz mehr.
Damit hängt im Bio-Weinbau alles an einer einzigen Größe: Wie vollständig ist das Blatt benetzt? Eine Stelle ohne Belag ist eine offene Tür.
Daran erkennt man uns übrigens von der Straße aus. Gehst du an einer Rebzeile vorbei und die Blätter tragen einen deutlich sichtbaren Belag, dann ist das mit ziemlicher Sicherheit der Bio-Weingarten. Im konventionellen sieht man fast nichts.
Die Spritze
Um die Benetzung so weit zu treiben, wie es geht, haben wir die aus unserer Sicht beste Maschine gekauft, die derzeit am Markt ist: eine Doppeltunnelspritze mit Verneblern statt klassischer Düsen.
Zwei Dinge macht sie besser. Der Tunnel bringt uns sehr nahe an den Stock, das feine Vernebeln legt das Mittel gleichmäßiger auf. Und was das Blatt nicht auffängt, fängt die Gegenseite des Tunnels auf und pumpt es zurück in den Tank.
Das Mittel liegt damit dort, wo es hingehört. Sonst nirgends.
Was wir ausbringen
Wir suchen unsere Mittel regional, so weit es geht:
- Kreide aus der Kreidefabrik in Mühldorf, gleich ums Eck im Leithagebirge
- Gesteinsmehl aus den Aspanger Bergwerken in der Buckligen Welt, dazu ein zweites aus Kitzbühel
- Frische Molke von einem Hoflieferanten aus Wilhelmsburg
- Braunalgen-Präparate für die Vitalität der Rebe
- Kiefernholzterpene als Haftmittel
- dazu Schwefel und Kupfer in geringen Mengen, wie es die EU-Bio-Verordnung zulässt
Warum wir nur abends fahren
Es gibt den Spruch, die Bio-Bauern spritzen immer am Abend, damit niemand sieht, dass sie spritzen.
Der erste Teil stimmt, der zweite nicht. Wir fahren ausschließlich abends und nur unter etwa 22 °C, weil unsere Mittel außen auf dem Blatt liegen und in der Hitze den Weingarten verbrennen würden. In der Thermenregion ist das keine theoretische Gefahr. Wie es ausgeht, wenn man es falsch macht, steht auf unserer Fehlerseite.
Prognose statt Routine
Statt nach festem Schema zu spritzen, schauen wir Wetter und Krankheitsdruck täglich an. Vinaria-Prognosesystem, eigene Beobachtungen, Erfahrung. Eine Behandlung weniger pro Saison, wenn das Risiko es zulässt.
Dass unsere Weingärten rund um Teesdorf windig und heiß liegen, hilft dabei: Der Pilzdruck ist bei uns nicht so extrem wie anderswo.
Dokumentation ohne Geheimnis
Jede Behandlung wird protokolliert: Datum, Mittel, Menge, Wetterbedingungen, Behandlungsgrund. Auf dem einzelnen Datenblatt wird das Behandlungs-Log je Wein und Jahrgang dokumentiert, sobald wir die Aufbereitung abgeschlossen haben.
