Weingut · Ehrlich gesagt
Fehler
Die meisten Weingüter haben eine Seite mit Auszeichnungen. Wir auch. Das hier ist die andere.
Bio-Werden war kein Schalter, den man umlegt. Es war eine Reihe von Jahren, in denen etwas schiefging und wir daraus gelernt haben. Manchmal freiwillig.
Im Weingarten
Was wir spritzen und wie wir schneiden.
Die Charge, die alles auslösteZwei Hektar, eine Frage
2014 haben wir noch konventionell gearbeitet. Eine verunreinigte Charge eines Fungizids ließ auf rund zwei Hektar die Triebspitzen absterben. Wachstum: gestoppt. Ertrag: ausgefallen. Der Hersteller hat den Schaden ersetzt. Geblieben ist die Frage: Was spritzen wir da eigentlich? Unsere Antwort war die Umstellung auf Bio.
HeuteWas wir ausbringenDie beste Werbung für Bio kam von einem Fungizidproduzenten.
Das BackpulverDas erste Bio-Jahr
Im ersten Bio-Jahr die klassische Mischung: Schwefel, Kupfer, Orangenöl und Kaliumbikarbonat, im Grunde Backpulver. Die Pilze hatten wir damit im Griff. Die Blätter nicht: Die Kombination war schlicht zu scharf für die Thermenregion.
Natürlich heißt nicht sanft. Nach einem Jahr war das Backpulver wieder draußen.
HeuteWarum wir nur abends fahrenDer wundarme RebschnittDrei Jahre Theorie
Auf dem Papier großartig und wir stehen bis heute dahinter. Ich habe drei, vier Jahre gebraucht, bis ich das System wirklich verstanden hatte. Nur schneidet man 25 Hektar nicht allein. Und was man selbst kaum erklären kann, kann man niemandem beibringen.
Ein Verfahren, das nur funktioniert, wenn einer es kann, funktioniert nicht.
HeuteWarum wir den Rebschnitt gerade umstellenDer PflanzenschutzJedes Jahr aufs Neue
Elf Bio-Jahre, elf verschiedene Spritzpläne. In keinem davon hat alles gepasst. Mal die Versorgung, mal der Zeitpunkt, mal ein Mittel, das mehr geschadet als geholfen hat.
Streng genommen gehört jedes einzelne Jahr auf diese Seite. Genau deshalb sind wir heute gut darin.
HeutePrognose statt Routine
Bei den Maschinen
Geräte, die nicht konnten, was sie sollten.
Die alte SpritzeDie ersten Bio-Jahre
Bio-Mittel dringen nicht ins Blatt ein, sie liegen obenauf. Damit entscheidet die Benetzung alles. Und wir sind die ersten Jahre mit einer uralten Spritze gefahren, die genau das nicht konnte.
HeuteDie SpritzeWir haben das Mittel gewechselt und den Zeitpunkt. Das Gerät zuletzt.
Die erste TunnelspritzeErst gut, dann zu teuer
Nach der alten Spritze war sie unsere erste Investition. Das Spritzbild war gut, die Benetzung um einiges besser und wir hatten Bio damit viel besser unter Kontrolle. Die Doppeltunnelspritze, mit der wir heute fahren, ist eine andere Maschine.
Am Anfang kein Fehler. Im Nachhinein zu teuer.
HeuteDie SpritzeDer Rebler, der die Kerne aufschlugErst spät aufgefallen
Unsere Abbeermaschine arbeitete mit einer klassischen Trommel und ging dabei grob zu Werke. Sie schlug einen Teil der Kerne auf. Was aus einem aufgeschlagenen Kern in den Wein geht, will niemand darin haben.
Ersetzt durch ein Gerät, das die Beeren abzupft statt sie zu dreschen. Hätte früher auffallen können.
HeuteVor der GärungDer Sommer ohne KühlungKühlraum ja, Maischekühlung nein
Ein sehr heißes Jahr und wir hatten nur den Kühlraum. Lesegut kam mit 25 bis 30 Grad herein. Das bekommt man in einem Raum nicht schnell genug herunter. Die Moste fingen an zu gären, die Kohlensäure hob den Trub auf und der Wein wurde nicht mehr blank.
Seit 2019 kühlt ein Rohrwärmetauscher die Maische direkt auf unter 15 Grad. Damit bekommen wir auch warme Trauben rasch heruntergekühlt.
HeuteVor der Gärung
Im Keller
Hefe, Gärung und der Verschluss.
Der KorkÜber zehn Jahre Gegenprobe
Ab 2003 haben wir über zehn Jahre lang dieselbe Charge doppelt gefüllt, halb Kork, halb Schraubverschluss, dann blind gegeneinander verkostet. Der Schraubverschluss hat in etwa 95 von 100 Fällen gewonnen. Wir haben trotzdem weiter Kork gefüllt: beim Rotwein bis 2021, beim Naturwein bis 2023.
Wir hatten die Antwort zwanzig Jahre lang. Geglaubt haben wir sie erst viel später.
Die AromahefenImmer wieder, über Jahre
Mehr Aroma, mehr Frucht: die Versuchung war jedes Mal dieselbe. Also haben wir es probiert. Die Gärung lief unrunder, es entstanden Probleme, die es vorher nicht gab. Und was am Ende im Glas stand, schmeckte nach der Hefe statt nach dem Weingarten.
Danach zurück zur neutralen Hefe. Und ein paar Jahre später wieder von vorn. Das ist der Fehler, den wir am öftesten gemacht haben.
HeuteDie Hefe, die durch den ganzen Keller wandertDie ganzen BeerenVier, fünf Jahre, dann aufgegeben
Beim Rotwein jede Beere einzeln angären lassen, ohne Pumpe, nur mit Schwerkraft in den Tank. Das lief einige Jahre so gut, dass wir aufgehört haben hinzusehen. Dann blieb nach dem Pressen Restzucker übrig. Zu wenig, um ihn zu schmecken, genug, um im Barrique in die falsche Richtung zu kippen. Ergebnis: mehr flüchtige Säure.
Nicht der Versuch war der Fehler, sondern dass wir ihn irgendwann für erledigt hielten.
HeuteRotwein
Wir veröffentlichen die Liste, weil ein Betrieb, der keine Fehler zeigt, sie nur besser versteckt.
