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Weingut · Ehrlich gesagt

Fehler

Die meisten Weingüter haben eine Seite mit Auszeichnungen. Wir auch. Das hier ist die andere.

Bio-Werden war kein Schalter, den man umlegt — es war eine Reihe von Jahren, in denen etwas schiefging und wir daraus gelernt haben. Manchmal freiwillig.

  1. Zwei Hektar, ein Vertrag weniger

    Die Charge, die alles auslöste

    Eine Spritzmittel-Charge, „Zusammensetzung bekannt“, ließ auf rund zwei Hektar die Triebspitzen absterben. Wachstum: gestoppt. Ertrag: ausgefallen. Der Hersteller hätte den Schaden ersetzt. Wir haben stattdessen den Vertrag mit der konventionellen Landwirtschaft gekündigt.

    Der überzeugendste Bio-Werbetext kam von einem Fungizidproduzenten.

  2. Das erste Bio-Jahr

    Das Backpulver

    Im ersten Bio-Jahr die klassische Mischung: Schwefel, Kupfer, Orangenöl — und Kaliumbikarbonat, im Grunde Backpulver. Die Pilze hatten wir damit im Griff. Die Blätter nicht: Die Kombination war schlicht zu scharf für die Thermenregion.

    Natürlich heißt nicht sanft. Nach einem Jahr war das Backpulver wieder draußen.

  3. Sechs Jahre am falschen Gerät

    Die alte Spritze

    Bio-Mittel dringen nicht ins Blatt ein, sie liegen obenauf. Damit entscheidet die Benetzung alles — und wir sind die ersten Jahre mit einer uralten Spritze gefahren, die genau das nicht konnte.

    Wir haben das Mittel gewechselt, die Sorte, den Zeitpunkt. Das Gerät zuletzt.

  4. Erst spät aufgefallen

    Der Rebler, der die Kerne aufschlug

    Unsere Abbeermaschine arbeitete mit einer klassischen Trommel und ging dabei grob zu Werke — sie schlug einen Teil der Kerne auf. Was aus einem aufgeschlagenen Kern in den Wein geht, will niemand darin haben.

    Ersetzt durch ein Gerät, das die Beeren abzupft statt sie zu dreschen. Hätte früher auffallen können.

  5. Ein Kühlraum zu wenig

    Der Sommer ohne Kühlung

    Ein sehr heißes Jahr, und wir hatten nur einen Kühlraum. Lesegut kam mit 25 bis 30 Grad herein — das bekommt man in einem Raum nicht schnell genug herunter. Die Moste fingen an zu gären, die Kohlensäure hob den Trub auf, und der Wein wurde nicht mehr blank.

    Seit 2019 kühlt ein Rohrwärmetauscher die Maische direkt auf unter 15 Grad. Ein Problem, das man sich kauft, statt es zu lösen — nur andersherum.

  6. Immer wieder, über Jahre

    Die Aromahefen

    Mehr Aroma, mehr Frucht — die Versuchung war jedes Mal dieselbe. Also haben wir es probiert. Die Gärung lief unrunder, es entstanden Probleme, die es vorher nicht gab, und was am Ende im Glas stand, schmeckte nach der Hefe statt nach dem Weingarten.

    Danach zurück zur neutralen Hefe. Und ein paar Jahre später wieder von vorn. Das ist der Fehler, den wir am öftesten gemacht haben.

  7. Drei Jahre Theorie

    Der wundarme Rebschnitt

    Auf dem Papier großartig, und wir stehen bis heute dahinter. Ich habe drei, vier Jahre gebraucht, bis ich das System wirklich verstanden hatte. Nur schneidet man 25 Hektar nicht allein — und was man selbst kaum erklären kann, kann man niemandem beibringen.

    Ein Verfahren, das nur funktioniert, wenn einer es kann, funktioniert nicht.

  8. Vier Jahre gut, dann nicht mehr

    Die ganzen Beeren

    Beim Rotwein jede Beere einzeln angären lassen, ohne Pumpe, nur mit Schwerkraft in den Tank. Das lief einige Jahre so gut, dass wir aufgehört haben hinzusehen. Dann blieb nach dem Pressen Restzucker übrig — zu wenig, um ihn zu schmecken, genug, um im Barrique in die falsche Richtung zu kippen. Ergebnis: mehr flüchtige Säure.

    Nicht der Versuch war der Fehler, sondern dass wir ihn irgendwann für erledigt hielten.

  9. Zwanzig Jahre Gegenprobe

    Der Kork

    Seit 2003 haben wir dieselbe Charge doppelt gefüllt, halb Kork, halb Schraubverschluss, und blind gegeneinander verkostet. Der Schraubverschluss hat in etwa 95 von 100 Fällen gewonnen. Wir haben trotzdem weiter Kork gefüllt — beim Rotwein bis 2021, beim Naturwein bis 2023.

    Wir hatten die Antwort zwanzig Jahre lang. Geglaubt haben wir sie erst viel später.

  10. Jedes Jahr aufs Neue

    Der Pflanzenschutz

    Elf Bio-Jahre, elf verschiedene Spritzpläne. In keinem davon hat alles gepasst — mal die Versorgung, mal der Zeitpunkt, mal ein Mittel, das mehr geschadet als geholfen hat.

    Streng genommen gehört jedes einzelne Jahr auf diese Seite. Genau deshalb sind wir heute gut darin.

Wir veröffentlichen die Liste, weil ein Betrieb, der keine Fehler zeigt, sie nur besser versteckt.

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