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Boden

Zwei Hände halten dunkle Weingartenerde mit hellem Kalkschotter, dahinter Rebstock

Wir liegen im Steinfeld, und das heißt: Schotter, so weit man gräbt. Ein Boden, der kaum Wasser hält, von Natur aus wenig Humus mitbringt und dessen Oberfläche zum Großteil mit faustgroßen Steinen bedeckt ist. Wo ein Stein liegt, wächst nichts.

Damit ist der Humusaufbau bei uns nicht eine Verbesserung, sondern die Grundvoraussetzung. Alles, was folgt, dient diesem einen Ziel.

Zweimal jährlich lassen wir eine Begrünung stehen, arbeiten sie ein und bestreuen sie mit Fermenten. Was dann passiert, ist eine mikrobiologische Zersetzung — kein Verrotten, sondern ein gesteuerter Gärungsprozess, der das Bodenleben in Gang bringt. Und das Bodenleben ist es, das den Humus aufbaut.

Auf Schotter ist das eine eigene Kunst. Bei so wenig Aufwuchs überhaupt eine Rotte in Gang zu bekommen, ist etwas anderes als auf einem gewachsenen Boden — und wir sind damit noch lange nicht fertig.

Bei uns ist jede Zeile begrünt, das ganze Jahr über.

Eine Begrünung bleibt eineinhalb Jahre stehen. Möglich macht das unsere Überzeilen-Technik: Weil wir Geräte haben, die über die Zeile hinweg arbeiten — etwa die Überzeilen-Spritze —, müssen wir nicht jede Gasse befahren. Wir wechseln jährlich, fahren einmal die eine Reihe und im nächsten Jahr die andere. So kann die frisch angebaute Begrünung ungestört stehen bleiben.

Das ist bei unseren Mischungen entscheidend, weil sie Zeit brauchen.

Keine Gräser. Gras wurzelt nicht tief genug und braucht zu viel Wasser; auf Schotter ist es der falsche Partner.

Stattdessen eine bunte Bio-Weinbergbegrünung:

Öllein · Leindotter · Kresse · Phacelia · Buchweizen · Rotklee · Weißklee · Bokharaklee · Esparsette · Hornschotenklee · Inkarnatklee · Kronensüßklee · Perserklee · Alexandrinerklee · Bienenweide

Dazu mischen wir Sandhafer, Sorghum und Pannonische Winterwicke.

Der hohe Anteil an Leguminosen ist Absicht: Sie binden über ihre Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft und geben ihn an den Boden ab. Wir düngen damit gewissermaßen aus der Luft.

Glyphosat hat auf unseren Böden nichts zu suchen. Auch andere Herbizide setzen wir nicht ein. Was zwischen den Stöcken wächst, halten wir mechanisch oder mit Mulch in Schach.

Ein Gerät, das anderswo selbstverständlich ist, fällt bei uns aus: Eine Bodenfräse ist am Schotter nach einer Reihe kaputt. Vieles, was in Lehrbüchern steht, funktioniert hier schlicht nicht.

Im Steinfeld wächst wenig. Der Weinbau ist eine der wenigen Nutzungen, die dieser Trockenheit noch standhalten — und wenn die Zwischenzeilen dauerhaft begrünt sind und nie bearbeitet werden, entsteht dort eine der artenreichsten Flächen der Gegend.

Aus einem Boden, auf dem kaum etwas wächst, wird so eine Fläche, die Insekten trägt.

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